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Artikel Tagged ‘kunst’

02. der andere Blick

27. Dezember 2008 Keine Kommentare

Kapitelblatt der 2. Aufgabe Architekturfotografie mit dem Thema "der andere Blick"Ein Foto kann nie die Wirklichkeit ersetzen auch nicht in Kombination mit Grundrissen, Schnitten, Axonometrien, Details und blumigen Beschreibungen, und lange nicht jede Architektur eignet sich zum Fotografieren. Nicht nur die Reduktion des Raumes auf ein zweidimensionalen Bild ist das Problem. Auf dem Foto gehen viel mehr Aspekte des Gebäudes verloren: Materialität, Textur, Klima, Gerüche, Lebendigkeit, besondere Ereignisse oder Stimmungen, der Kontext usw. Es war vor allem Tschumi, der uns bewusst gemacht hat, dass eine architektonische Erfahrung viel mehr ist, als die Umschließung durch Wände. Um das zu vermitteln dokumentierte er seine Beiträge für Zeitschriften in Form von Werbung „… um das Verlangen nach etwas hinter der Hochglanz-Illustration zu wecken, haben diese Anzeigen die Aufgabe, das Verlangen nach Architektur zu wecken.“

Woran liegt es, dass die gängige Architekturfotographie das Verlangen nach einer echten architektonischen Erfahrung eher dämpft als anstachelt? Dazu bemerkt Janet Abrams in ihrem Essay über Architekturfotographie, dass die Fotographie zur Domestizierung der Architektur dient. „ Die publizierten Exemplare sind die besten Pferde im Stall, die Rassehunde, im Unterschied zu den Kötern, den Promenadenmischungen, die auf jeder Straße rumlungern (…) Architekturfotographie bereitet dich nur auf die bestmögliche Bedingungen vor, nicht nur auf das neugeborene, unberührte, sondern auch das sauber von seiner Umgebung isolierte Gebäude, das immer sonnenbadende Gebäude, das Gebäude in seinen wärmsten Farben, in die Kamera lächelnd. Du kommst zu einem Gebäude, das du nur in seiner publizierten Repräsentation kennst, und es gibt eine Überraschung, garantiert. Die Täuschung über den Maßstab, den Kontext und die physikalische Beschaffenheit sind plötzlich unwirksam. Gewöhnlich, anstatt zu glühen – ohne den Schimmer des Papiers, der seinen frisch polierten Look verstärkt – ein Gebäude steht einfach da, eingesperrt in einem Ort. Und dieser Ort ist ganz anders als die das Foto umgebende Ränder auf der Seite. Seiner Überschrift beraubt, des warmen Dickichts der Lettern entkleidet, das ihn in eine Argumentation einfügt, sagt das Gebäude dir nichts darüber, wie du über es denken sollst. Konfrontiert mit dem realen Objekt, musst du dir deine eigene Meinung bilden über die Natur der Bestie. “ Das objektive Aufzeichnen geht unbemerkt in das Interpretieren über, das Registrieren in die Verherrlichung, aber die Art des Fotografierens weckt den Eindruck, als ob der objektive Aspekt immer der Ausgangspunkt bliebe. Schöne Beispiele sind für solche Verschiebungen sind die Dämmerungsfotos, die in den letzten Jahren in Mode sind. Der „objektive“ Grund ist, dass es technisch nur so möglich ist, von dem Gebäude sowohl Extérieur als auch als auch das Interieur und deren wechselseitige Beziehung zu zeigen. Tatsächlich aber färbt die Dämmerung die Fotos romantisch ein, und das warme gelbe Kunstlicht im Inneren suggeriert so viel mehr Wärme und Geborgenheit als das kühle blaue Licht außen, dass derartige Fotos beinahe klischeehaft wie Reklame wirken. Walter Benjamin schrieb: „Die Welt ist schön – genau das ist ihre Devise. In ihr entlarvt sich die Haltung einer Fotographie, die jede Konservenbüchse ins All montieren, aber nicht einen der menschlichen Zusammenhänge fassen kann, in denen sie auftritt, und die damit noch in den traumverlorensten Sujets mehr eine Vorläufer von deren Verkäuflichkeit als von deren Erkenntnis ist.“ Weil aber das wahre Gesicht dieses fotographischen Schöpfertums die Reklame oder die Assoziation ist, darum ist ihr rechtmäßiger Gegenpart die Entlarvung oder die Konstruktion. Bei Brecht kompliziert sich die Lage dadurch, dass weniger denn je eine einfache Wiedergabe der Realität etwas über die Realität aussagt.

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_mirrorscape

27. Dezember 2008 Keine Kommentare

“…wonderlawn´s lost us for ever, she broke the glass! liddell lokker through the leafery, ours is mistery of pain. ” Joyce, Finnigans wake

der reflektierte ein-blick des betrachters in den spiegel ist untrennbar auch immer eine hinterfragung des wahrnehmbaren. ein auf den fokus begrenzte fragmentiertes abbild in echtzeit zur selbst- und repositionierung des sehenden durch sich selbst.

technische bilder, ein abstraktes substitut der spiegelung behauptet sich zusehends als gespiegelter ikonoklasmus der realität.

der vormals aktive blick wird in dem akt der einer dekonstruktion und entdimensionierung unterworfen, und bleibt dabei doch immer noch eine referenz auf die bestehende umwelt.

tradierte standpunkte verschieben sich diametral, das sehende subjekt wird zum objekt. der flüchtige “augen”blick wird zu einem kontenplemativen verharren im bild mit umgekehrten vorzeichen.

in dem von der echteit abgelösten einblick offenbart sich das flüchtige der welt im schweigenden stillstand. das innehalten beim bild ist auch ein innehalten vor der welt.

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.theorie der architekturfotografie

26. Dezember 2008 Keine Kommentare

Ungefähr ab dem Sommersemester 2005 habe ich im Rahmen universitärer Beschäftigung, Kurse über Architekturfotografie abgehalten. Die den Studenten ausgehändigten Reader über eine Einführung in die Architekturfotografie habe ich hier eingespeist.

Kapitel 1: der diktatorische blick

Kapitel 2: der andere blick

Kapitel 3: der intensive blick

Kapitel4: der kalkulierte blick

Kapitel5: der körperliche blick

Abstrake Kunst                          urban interference – architekturfotographie

ur‘ban: 1. städtisch, die Stadt betreffend, zu ihr gehörend 2. weltläufig, weltmännisch, gebildet. interference: die Beeinflussbarkeit, die Beeinflussung, die Beeinträchtigung, die Behinderung, die Bildstörung, der Eingriff, die Einmischung, das Mischen, die Störanfälligkeit, störender Eingriff, die Störung

 

urban distortion – architekturfotographie

Architektonische Räume erscheinen in ihrer maßstäblichen Betrachtung weitestgehend homogen. Bei genauerer Betrachtung ergeben sich jedoch immer wieder seismische (nicht nur topologische) Brüche. Architektonischen Störungen sind nicht nur ikonologische Verdichtungen des Ortes sondern zugleich Grenzfälle in dem Komplex Stadt. Diese Lokalisationen oder Momente sind weitestgehend transistorisch, das Einfangen und Abbilden dieser Augenblicke auf ein Medium der absoluten Reduktion des Flusses stellt den Architekten vor eine enorme Aufgabe.

 

urban disintegration – architekturfotographie

Der stete Prozess der Wandlung und der daraus resultierenden Rekonfiguration städtischer  Räume ist ein zentrales Thema architektonischen Schaffens. Hauptaugenmerk des Seminars liegt auf der Disintegration urbaner Strukturen im andauernden Prozeß der sich verändernden Städte. Die Lesbarkeit dieser Anzeichen, deren Ausprägungen und Dauerhaftigkeit soll künstlerisch mit dem unmittelbaren Medium der erarbeitet werden.

 

urban decay – architekturfotographie

Städte wandeln sich nicht nur durch rekonfigurierende Neubauten, vieleher ist der Prozeß des schleichenden Zerfalls städtischer Strukturen ein symptomatischer Anhaltspunkt für einen dauerhaften Transformationsprozeß der urbanen Ränder der Städte. Dieser stetige Zerfall charakterisiert sich zumeist durch eine Vielzahl von segregativen Prozessen. Es gibt für diesen Zerfall keine direkte Ursache, vieleher wird er durch den Prozeß der Suburbanisation, stadtplanerische Fehlentscheidungen und sozialen Problemen begünstigt

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01. Der diktatorische Blick

26. Dezember 2008 Keine Kommentare

Kapitelblatt der 1. Aufgabe Architekturfotografie mit dem Thema "der  diktatorische Blick"„Fotografieren bedeutet nicht, die Welt als Objekt zu nehmen, sondern sie zum Objekt werden zu lassen.“ – Baudrillard
Vilém Flusser zufolge transformiert die Mehrheit der gegenwärtig fotografischen Bilder weder die Wahl noch die Sicht des fotografischen Subjekts, sondern die subtile Entfaltung der technischen Möglichkeiten des Apparates. Letztendlich befiehlt nur noch die Machine, die all ihre Möglichkeiten ausschöpfen möchte – eine Tyrannei des technischen Apparates. Der Mensch wird zusehends zum Operator technoider Systeme, ohne die Möglichkeit in das System regulierend einzugreifen. Das Ausschöpfen aller technische möglichen Virtualitäten der Geräte bedingt durch seine immensen Möglichkeiten der Diversifikation der Virtualitäten führt zu einer „écriture automatique“ der Welt.

„Die ist unser Exorzismus. Die primitive Gesellschaft hatte ihre Masken, die bürgerliche Gesellschaft ihre Spiegel, wir haben unsere Bilder.“ – Baudrillard
Dabei ruht der fotografische Blick buchstäblich auf der Oberfläche der Gegenstände und zelebriert deren Erscheinungen für das Auge. Die Intensität des Bildes entspricht dabei dem Ausmaß, in dem es das Reale, die Erfindung einer anderen Szene, ablehnt. Aus einem Objekt ein Bild machen bedeutet, all seine Dimensionen nacheinander zu entfernen. Um den Preis dieser Entinkarnation gewinnt das Bild die Macht zu faszinieren, es wird zum Vermittler der reinen Objekthaftigkeit und zugleich durchlässig für eine subtilere Art der Verführung. Aus diesem Verweilen des Subjekts heraus folgt das Verschwinden. Der philosophische Blick durchdringt nämlich die Oberfläche und erkennt dabei die Bedrohung des Verschwindens der Gegenstände. Die Erscheinungen der Gegenstände spiegeln immer gleichzeitig ihr Verschwinden. Jedes fotografierte Objekt ist demnach nichts mehr als ein Hinweis, der nach dem Verschwinden alles anderen übrig bleibt. Einer Ästhetik der Erscheinung pariert dabei eine Ästhetik des Verschwindens. Dem Exorzismus der Dinge, dem Vertrauen in die Dingwelt, folgt der Kollaps, das Mißtrauen gegenüber dem Bild. Der Schein der Zeichen rettet dennoch die Erscheinungen der Dinge vor dem Verschwinden. Durch das irreale Spiel mit der Technik, durch den Ausschnitt, die Immobilität, das Schweigen und die phänomenologische Reduktion der Bewegung  wird das Foto zum reinsten und zum künstlichsten Bild. Es ist nicht schön, es ist schlechter, und nur als solches gewinnt es Objektkraft in einer Welt, in der gerade das ästhetische Prinzip schwächer wird. Diese Epiphanie triumphiert  dabei über die Phänomenologie und die Phänomenologie bildet zugleich den Rahmen für eine melancholische Kritik der Epiphanie. Der Einfachheit der Dinge ist der Grund für ihre Schönheit.

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