"Black" Konica Hexar AF, 35mm f/2 - © bildraum-f | fotografie
Das Bild zeigt die „Black“ Konica Hexar AF, nicht die Messsuchervariante Hexar RF, es handelt sich viel eher um eine Autofokusversion derselben. Es gibt nicht wenige Fotografen, die diese Kamera immer wieder als eine Leica für „arme Menschen“ bezeichneten, was der Kamera wirklich nicht ganz gerecht wird, ist sie doch wahrscheinlich mit einem der besten lichtstarken und festverbauten 35mm Objektive überhaupt ausgestattet. Und das selbst im Vergleich zum hervorragenden Leica Summicron non-ASPH 35mm f/2. Und nein, entgegen vieler Meinungen im Netz handelt es sich bei dem Objektiv nicht um eine Kopie des 35mm Summicron.

Die Hexar AF bietet neben ihrer ohnehin umfangreichen Grundausstattung noch einige nahezu unikäre Funktionen. Also ich habe die folgenden Funktionen jedenfalls noch bei keiner anderen Kamera desselben Typus vorgefunden. Das ist vor allem der sog. „stealth mode“. Eigentlich offiziell nur in der „Black“ Version verbaut, ist die Funktion in allen weiteren Hexar AF Varianten über die frei programmierbare Firmware freischaltbar. In diesem Modus ist die Kamera derart leise, dass man sich zeitweise am Zählwerk orientieren muss, ob man den Auslöser nun ausgelöst hat oder nicht. Der Autofokus, Verschluss (der im Inneren des Objektives liegt) und der motorische Filmtransport werden vom „stealth mode“ beeinflusst und sind nahezu unhörbar – damit ist die Hexar AF im Betrieb auf jeden Fall leiser als eine Leica – und das will schon was heißen. Allein damit ist die Hexar AF schon eigentlich die optimale Kamera für die „Street-Fotografie“, aber mit dem sog. Automatikmodus „P“ ist die Hexar AF nahezu unschlagbar. Die Logik hinter der Automatik ist so einfach wie bestechend. Die Kamera versucht das Bild mit der vom Fotografen vorgewählten Blende in der Belichtungszeit zwischen 1/30 und 1/250 Sek. zu halten, fällt die Belichtungszeit jedoch unter 1/30 Sek. öffnet die Kamera automatisch die Blende, bis der untere Grenzwert erreicht wird oder die Blende f/2 erreicht, danach wird ein optisches Warnsignal im Sucher angezeigt.. Dieser Grenzwert ist im übrigen manuell festlegbar, ein Grenzwert um die 1/8 und 1/15 sec sind, bedingt durch die erschütterungsfreie Konstruktion der Kamera, noch für die meisten Fotografen gut haltbar. Die Möglichkeit die Kamera auf „fixed focus“ zu schalten ist ebenfalls nicht zu vernachlässigen. Hinzu kommt, dass der Autofokus auch über die Firmware auf 750 oder 850nm Wellenlänge für die Infrarotfotografie einstellen werde kann. Und auch die Möglichkeit die Blitzleitzahl (GN) manuell einzutragen ist von entschiedenen Vorteil, da sie es erlaubt nahezu jedes andere Mittelkontakt-(Automatik)-Blitzgerät dessen GN-Zahl bekannt ist mit der Hexar AF zu verwenden.

Schön was, aber wo viel Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten. Auch die Hexar AF hat einige Schattenseiten. Zu einem, die schnellste Belichtungszeit liegt bei 1/250 sec, das ist kein Witz! Das kann sehr schnell, beladen mit einem 400 ASA Film, im direkten Sonnenlicht nerven, aber wozu wurden wohl ND Filter hergestellt! Also besser gleich den Filter einpacken. Die Firmware ist in der Art der Reprogrammierung durch den Benutzer derart archaisch, dass sie nicht einmal in Gänze im Handbuch erwähnt wird – sucht mal im Netz nach „Hexar AF lost command“. Ohne Anleitung ist die Programmierung und Menuführung nicht zu schaffen. Dazu gibt es einen kleinen Merkzettel (siehe weiter unten). Die Bedienung und Zugänglichkeit der einzelnen Funktionsknöpfe ist alles andere als ergonomisch und obwohl die Leuchtrahmen mit einer Parallaxenkorrektur versehen sind bleibt der Fokuspunkt ohne Korrektur, was bei sehr nahen Objekten schnell zu falschen Ergebnissen und unscharfen Bildern führt. Zur Erinnerung, die IR-Fokussensor liegt rechts von der Linse. Und zuletzt sie ist nicht klein, im Gegenteil sie ist groß – sogar sehr groß, größer als eine Leica M6.  

Wenn man die Hexar AF mal ernsthaft betrachtet ist es keine echte Messsucherkamera, aber sie steht in der direkten Tradition von Messsucherkamera mit fest verbauten Objektiven aus den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts, wie die Konica S3, Olympus RD und die Canon G-III QL.

Die Hexar AF wurde zwischen 1993 bis ca. 1997 in verschiedenen Varianten gebaut, die sich in Ausstattung und Funktionalität unterschieden, die gängigsten Varianten waren die Hexar AF „Black“ und „Silver“. Es ist jedoch möglich die verschiedenen „fehlenden“ Funktionen (Autobracket, GN Settings, Stealth mode usw.) mit einem kleinen Trick bei allen Varianten freizuschalten.
1. „Konica Hexar AF“ in Schwarz, mit „Stealth mode“ und optionalen Databack, ab 1992
2. „Konica Hexar AF Silver“ in Chrome mit Databack, aber ohne „Stealth mode“, jedoch mit einigen Erweiterungen: Doppelbelichtung, manuelle Blitz GN Kontrolle und Settings für Infrarotfotografie, ab 1997.
Außerdem gab es noch einige limitierte Editionen:
1. „Hexar AF Classic“, Auflage 2000 Stück, wurden 1993 zum 120ten Jubiläum von Konica gefertigt
2. „Hexar AF Gold“ gelegentlich auch als „Titanium“ bezeichnet. Auflage 500 Stück, Vergoldet, ebenfalls 1993 zum 120ten Jubiläum von Konica gefertigt, jedoch mit „Stealth mode“
3. „Hexar AF Rhodium“, eigentlich eine „Hexar AF Silver“ aber mit einem leicht rötlichen Farbstich, die Höhe der Auflage ist mir nicht bekannt.
Es gibt noch einige vereinzelte Kameras mit braunen Lederapplikationen, diese Produktion wurde aber von Konica nie offiziell bestätigt.

Fazit: Trotz aller Mankos ist die Hexar AF gerade wegen der Abbildungsleistung des Objektives und dem Stealth-Mode eine perfekte und gefragte Kamera für die „Street-Fotografie“, was sich bei der raren Verfügbarkeit und dem doch hohen Preis von ungefähr 500,00€ widerspiegelt.

Handbuch:          Hexar (Silver) - Instruction Manual - ENG (742 Downloads)
Kurz Anleitung 1: Hexar - Quick reference - Front - ENG (583 Downloads)
Kurz Anleitung 2: Hexar - Quick reference - Back - ENG (594 Downloads)