Italo Calvino – Valdrana, Die Städte und die Augen

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Italo Calvino, Valdrana, Die Städte und die Augen: „Die Alten bauten Valdrada an die Ufer eines Sees, mit Häusern, ganz Veranda, eins über dem andern, und Hochstrassen, deren Balustraden auf das Wasser gehen. So sieht der Reisende, wenn er ankommt, zwei Städte: eine aufrechte über dem See und eine reflektierte umgekehrte. Kein Ding ist oder geschieht in dem einen Valdrada, das sich nicht im andern wiederholte, denn die Stadt wurde so angelegt, dass sich jeder ihrer […]

Zaungast der Tour de France am Victoria Embankment Gardens

“More and more individuals, owing to their bloodless indolence, will aspire to be nothing at all – in order to become the public: that abstract whole formed in the most ludicrous way, by all participants becoming a third party (an onlooker).”  – Søren Kierkegaard Der sehr angestregt ausehende Zaungast wollte, neben zigtausend anderen begeisterten Zuschauern, nicht den Zaun des Parkes erstürmen, an dem er sich so vehement festhält. Auch wollten sie nicht den Park requirieren, vieleher […]

Brydges Place – schmalste Gasse in London

„Doch besonders habe ich immer die Gäßchen gemocht, die stillen, dunklen Gäßchen, abseits von den großen Plätzen. Da gibt es Abenteuer, da gibt es unerwartete Erlebnisse, da liegt Gold im Schmutz“ – Die Brüder Karamasow, Dostojewski Brydges Place, ganz in der Nähe zum London Coliseum theatre in der St. Martin´s Lane (WC2) , ist die wahrseinlich schmalste Gasse in London, die schmalste Stelle misst gerade mal 15 inch, also knapp 38cm. Damit ist sie jedoch […]

Was am Ende bleibt | Nachkriegsmoderne Architektur

Was am Ende bleibt – sichtbare Zeit. Unlängst tobt eine Diskussion in Deutschland, wie man mit der Architektur der Nachkriegsmoderne der 50er Jahre umgehen soll, die eine Seite propagiert den vollständigen Rückbau, gleich Denkmal oder nicht und die andere den vollständigen Erhalt der Gebäude im Originalzustand, in Form eines unausgesprochenen Kulturgutes. Völlig unversöhnlich gebärden sich dabei beiden Seiten und werfen sich gegenseitigen bestenfalls nur Populismus und Halsstarrigkeit vor und dies ist zumeist nicht immer unberechtigt. […]

Die Struktur der Fotografien | eine Bildanalyse

„Wer sehen kann, kann auch fotografieren. Sehen lernen kann allerdings lange dauern.“ – Werbung der Firma Leica Die Struktur der Fotografien: Fotografien sind eng begrenzte Abbilder einer dreidimensionalen, komplexen Wirklichkeit. Das bedeutet zugleich, daß sie weit weniger Informationen enthalten als die vielschichtige Realität an sich, aber gerade diese begrenzte Auswahl und Ausschnitthaftigkeit von Informationen ist gleichzeitig eine Chance der Fotografie. Die Reduktion auf das Wesentliche berührt dabei keineswegs die Forderung nach der (Wieder-)Erkennbarkeit des Motivs. […]

Stadtraum als Bühne, Abbild der Stadt und Bewohner

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„Die Stadt ist, von zwei Menschenkategorien bevölkert, von Geschäftemachern und ihren Opfern, dem Lernenden und Studierenden nur auf die schmerzhafte, eine jede Natur störende, mit der Zeit verstörende und zerstörende, sehr oft nur auf die heimtückisch tödliche Weise bewohnbar.“ – Thomas Bernhard, Ursache Als Architekt sieht man den Stadtraum, dessen Bewohner und deren Gebäude mit zumeist anderen Augen, denen eines Wissenschaftlers oder mal als pragmatischer Techniker, aber auch der Künstler im Architekten wird immer wieder […]

Das Ende eines Tages – Frühlingsregen, Hay´s Galleria

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“And in this moment, like a swift intake of breath, the rain came.” – Truman Capote, Other Voices, Other Rooms Eine seltsam bedrückende und beklemmende Fotografie. Der ältere Büroangestellte sucht vor dem fallenden Frühlingsregen Schutz in einer der Arkadenbögen in der Hay´s Galleria, London Bridge City und wartet auf das Ende des Frühlingsregen. Seltsam deplaziert und verlassen wirkt er dort – mit gesenktem Kopf beobachtet er das negennasse blaugraue Pflaster zu seinen Füssen. „Wenn man […]

Markt und Märkte – Ende eines Handelstages im Borough Market | London

„This is the land, where nothing changes, the land of red buses and blue blooded babies. This is the place, where pensioners are raped, and the hearts are being cut, from the welfare state. Let the poor drink the milk, while the rich eat the honey. Let the bums count their blessings, while they count the money.“ – the the (Matt Johnson), heartland So leer wie auf dieser Fotografie werden die meisten Besucher den Borough […]

Strassenkind Kreuzberg | plakatives Paste-Up

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“Bleak, dark, and piercing cold, it was a night for the well-housed and fed to draw round the bright fire, and thank God they were at home; and for the homeless starving wretch to lay him down and die. Many hunger-worn outcasts close their eyes in our bare streets at such times, who, let their crimes have been what they may, can hardly open them in a more bitter world.” Charles Dickens, Oliver Twist Die […]

In weiter Ferne, so nah! Engel Cassiel – Ostern 2014

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„Ihr. Ihr, die wir lieben, ihr seht uns nicht. Ihr hört uns nicht. Ihr wähnt uns in weiter Ferne, doch sind wir so nah. Wir sind Boten, die Nähe zu tragen zu denen in der Ferne. Wir sind Boten, das Licht zu tragen zu denen im Dunkeln. Wir sind Boten, das Wort zu tragen zu denen, die fragen. Wir sind nicht Licht. Wir sind nicht Botschaft. Wir sind die Boten. Wir sind nichts! Ihr seid […]

Berlin Babylon 2014 – Neue Architektur am Spreebogen

Ein karger Wald aus Stahl am Spreebogen. Die Kräne am östlichen Ufer des Humboldthafens gehören zu einem Baufeld südlich dem gigantischen Städtebauprogramm mit dem vielsagenden Titel „Europacity“ am Berliner Hauptbahnhof. Falls jemanden interessieren sollte was für eine „Investoren“architektur hier nun wieder enstehen wird, dem enpfehle ich mal einen kurzen Blick auf die „Competitionline – Wettbewerbe und Architektur“ und auf der Seite von KSP – Jürgen Engel Architekten als Visualisierung. „Durch seinen subtilen Zynismus und seinen […]

Brückentage – Frühling in Schöneberg, Berlin

Berlin überrascht mich doch immer wieder, es gibt einige schöne und romantische Aussichtspunkt in der Stadt, aber hätte mich jemand gefragt, ob ich die Langenscheidtbrücke in Schöneberg dazu zählen würde, ich hätte es vehement verneint. Aber das offensichtlich verliebte Paar hier, sah das wohl gänzlich anders und trank gemütlich einen Sekt auf dem oberen Brückenträger der Langenscheidtbrücke und genoß den ersten frühlingshaften Sonnenuntergang über der Stadt, mit einer zugegebenen grandiosen Aussicht – echte Brückentage. Die […]

Brutalismus | Institut für Hygiene und Mikrobiologie, Fehling+Gogel

„Ein Gebäude muß seinen Benutzern Spaßvergnügen machen.“ – Daniel Gogel ,  Architekt,  (1927 – 1997) Dieser nahezu, im Zusammenhang mit diesem im brutalistischen Stil errichteten Bunker aus Beton, zynische Satz  stammt von keinem weniger als von dem entwerfenden Architekten selbst. Was hier aussieht, wie die erratsichen und monolithischen Bunker am Atlantikwall, ist nichts weniger als das Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Freien Universität Berlin in Steglitz. Wie im Brutalismus durchaus gängig wurde der materiellen Qualität […]

Skulptur Borghesischer Fechter |Schloß Charlottenburg

Die Abbildung zeigt die Skulptur „Borghesischer Fechter“ auf dem Portal vor dem Ehrenhof am Schloß Charlottenburg. Die auf beiden Seiten des Portal stehenden Figuren bestehen aus einem weiß getünchtem Zinkguss und wurden erst Mitte des 19. Jahrhunderts auf die den Vorplatz flankierenden Wächterhäuser gestellt.„…Dargestellt ist ein Kampfmotiv, bei dem der Kämpfer sich gleichzeitig mit dem linken Arm verteidigt und mit dem rechten Arm einen Angriff ausführt. Am vorgestreckten linken Arm befindet sich eine Halterung für […]

Karl-Marx-Allee | Boluevard of broken dreams

Seltsam wie eine kleine Fotografie manchmal unbewusst und doch recht subtil Geschichte erzählen und auch repräsentieren kann.  Das in der gesplitterten Glasplatte am Eingang zum U-Bhf. Frankfurter Tor gespiegelte Gebäude zeigt das südlich der Karl-Mar-Allee gelegene Frankfurter Tor Turmhochhaus (Architekt: Henselmann), das Gebäude wurde als repräsentativer Abschluss der östlichen Karl-Marx-Allee geplant und ausgeführt. Früher hieß der Prachtboulevard und soz. Aufmarschbereich noch Stalinallee, was aber nach 1961 nicht mehr sonderlich opportun erschien und kurzerhand in Karl-Marx-Allee umbenannt […]

Canonet GIII QL17 | Messsucherkamera Canon (1972 – 1982)

Über die letzten Jahre haben sich fast zwangsläufig bei mir doch einige recht interessante Kameras angesammelt, und diese ziemlich seltene schwarz lackierte Canonet GIII QL17  (Mint) Messsucherkamera habe ich gerade für einen äußerst vernünftigen Preis erworben. Da ich schon eine Rollei 35, Leica CL, Konica Hexar AF, Minolta HiMatic 7sII und eine Konica Auto S3 besitze kann ich endlich mal damit anfangen die kompakten 35mm Messsucherkameras direkt zu vergleichen. Warum nun ausgerechnet diese Kameras, die […]

Einsamkeit der Großstadt, Kreuzberg | XPan Panorama

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„Wenn du zur Arbeit gehst am frühen Morgen, wenn du am Bahnhof stehst mit deinen Sorgen:   da zeigt die Stadt   dir asphaltglatt im Menschentrichter Millionen Gesichter: Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick, die Braue, Pupillen, die Lider – Was war das? vielleicht dein Lebensglück… vorbei, verweht, nie wieder.“  Erste Strophe des Gedichtes „Augen der Großstadt“ von Kurt Tucholsky (zuerst in Arbeiter Illustrierte Zeitung, 1930, Nr. 11, S. 217). Im generellen handelt es von […]

Tate Britain, The Cholmondeley Ladies | Wahrnehmung von Symmetrie

Das Bild im Hintergrund mit dem Titel „The Cholmondeley Ladies“ zeigt zwei junge Frauen vollständig bekleidet und aufrecht im Bett sitzend, jede hält ein in eine rote Taufrobe gehülltes Kleinkind. Die Inschrift auf der linken unteren Seite gibt einen erste Hinweise bezüglich des Bildinhaltes: „Two Ladies of the Cholmondeley Family, Who were born the same day, Married the same day, And brought to Bed [gave birth] the same day“. Traditionell geht man davon aus, wie […]

5 Jahre „bildraum-f | fotografie“, ein Resümee

„Die Tatsache, dass eine (im konventionellen Sinn) technisch fehlerhafte Fotografie gefühlsmässig wirksamer sein kann als ein technisch fehlerloses Bild, wird auf jene schockierend wirken, die naiv genug sind zu glauben, dass technische Perfektion den wahren Wert eines Fotos ausmacht.“ – Andreas Feininger Nun habe ich schon ein Resümee über 5 Jahre andauernde künstlerische Arbeit an und um die Seite „bildraum-f | fotografie“ angekündigt, stehe aber sogleich vor einem inhaltlichen Dilemma: Was soll, besser will man […]